Zeichentrickfilme als Kompass: Dumes Reise durch die Sprache der Bilder

Dume ist der Spitzname von Laura, einer jungen albanischen Frau, mit der ich vor einigen Jahren in Bayreuth zusammenarbeiten durfte. Das Schicksal wollte es so, dass sie sich später in Italien ausgerechnet als meine direkte Nachbarin herausstellte! Durch diesen glücklichen Zufall sind wir uns immer nähergekommen. In einem Moment, als wir uns einander anvertraut und unsere Herzen geöffnet haben, hat sie mir ihre faszinierende Geschichte erzählt. Da mich dieser Lebensweg seither nicht mehr losgelassen hat, wollte ich im Rahmen der Reflexion über Migration als transformativen Prozess genau das beleuchten, was an Dumes Weg so besonders ist: ein essenzieller, oft transversaler Aspekt der Integration, den viele im Alltag wohl als selbstverständlich ansehen, der aber meiner Auffassung nach von fundamentaler Bedeutung ist. Es ist die oft unterschätzte Kraft visueller Medien – ein scheinbar banaler Faktor, der in der Praxis jedoch als emotionaler und sprachlicher Kompass fungiert und die persönliche Transformation entscheidend erleichtert. Von Matilde Mazzi (2026, La Spezia, Italien)

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Matilde: Hallo alle zusammen und willkommen auf meinem Blog! Heute sprechen wir über Migration als ein Phänomen, das das Leben verändert. Aber wir machen das nicht mit trockenen Daten, sondern mit einer ganz besonderen Geschichte: der Geschichte meiner Freundin Dume, die heute hier bei mir ist. Hallo Dume, danke, dass du da bist!

Dume: Hallo! Danke für die Einladung.

Teil 1: Die Reise, der emotionale Koffer und der Kulturschock

Matilde: Dume, fangen wir von vorne an. Du bist mit 11 Jahren aus Albanien nach Italien gekommen. Ich weiß, dass dein Papa zuerst jahrelang allein hier war, weil das Gehalt viel höher war, und du ihn fast nur im Sommer gesehen hast. Wie war dieser Moment, als er sich entschieden hat, die ganze Familie nachzuholen? 

Dume: Das war ein riesiger Wendepunkt. Als ich noch ganz klein war, ist mein Papa zuerst allein nach Italien gegangen, um dort zu arbeiten, weil das Gehalt viel höher war als in Albanien. Leider habe ich in dieser Zeit sehr wenig Zeit mit ihm verbracht; ich habe ihn fast nur in den Sommerferien gesehen. Aber irgendwann hatte er genug von dieser Situation! Er wollte endlich bei seiner Familie sein, ohne auf uns verzichten zu müssen.

Matilde: Und dann hat er beschlossen, euch alle nachzuholen. Ihr seid im August umgezogen, kurz vor deinem 12. Geburtstag. Das muss doch ein riesiger Schock gewesen sein, oder? Was war in deinem emotionalen Koffer? 

Dume: Vor allem die Angst vor dem Unbekannten! Mein Papa hatte uns zwar viel von den tollen wirtschaftlichen Möglichkeiten erzählt, aber man hat ja nie die Gewissheit, was man wirklich vorfindet. Es war hart, mit 11 Jahren die Routine, mein Zuhause und meine Cousins zu verlassen. 

Matilde: Das verstehe ich total. Und als du dann da warst, gab es diesen lustigen Kulturschock in der Schule, von dem du mir erzählt hast… 

Dume: Oh ja! In Albanien müssen wir aufstehen, wenn wir mit dem Lehrer sprechen. In Italien ist das völlig anders, da bleibt man einfach sitzen! Ich hatte solche Angst, Fehler zu machen. Und am Anfang hatte ich sogar Angst vor dem italienischen Essen! 

Teil 2: Der Fernseher als Geheimwaffe

Matilde: Das mit dem Essen ist im Nachhinein echt lustig, wenn man bedenkt, wie gut man in Italien isst! Aber kommen wir zur Sprache. Deine älteren Geschwister haben Italienisch traditionell gelernt, aber du hast den Fernseher eingeschaltet. Wer hatte die besseren Lehrer? 

Dume: Definitiv ich! Sagen wir es so: Die Schule war für die Theorie da, aber durch den Fernseher habe ich erst verstanden, was ich da eigentlich lerne. Ich habe die Sprache durch das Hören begriffen, lange bevor ich selbst sprechen konnte.

Matilde: Das erinnert mich total an unsere Arbeit mit den Kindern in Deutschland. Weißt du noch? Die Kommunikation mit ihnen war so einfach, weil Kinder eine sehr lineare und einfache Sprache nutzten. Und genau das machen auch Zeichentrickfilme!

Dume: Exakt, genau so ist es! Ich habe mit ganz einfachen Cartoons wie Peppa Wutz auf Rai Gulp angefangen. Später kamen Teenager-Serien mit echten Schauspielern wie Eleonora Gaggero und am Ende sogar Quizshows wie L’Eredità für die schwierigen Wortspiele. Der Fernseher hat alles total beschleunigt.

Matilde: Und es hat dir einen riesigen Vorteil verschafft. Deine älteren Schwestern kamen in die Oberschule, sie hatten viel mehr Probleme und mussten Nachmittagskurse besuchen. Du und dein kleinerer Bruder haben dagegen kein einziges Schuljahr verloren!

Dume: Stimmt, für meine Schwestern war der Einstieg in der Oberschule viel härter. Mein jüngerer Bruder und ich hatten das große Glück, dass wir kein Schuljahr verloren haben. Ich sollte im September in die zweite Klasse der Mittelschule (seconda media) kommen, und genauso war es auch. Aber meine älteren Schwestern kamen gerade in die Oberschule (superiori) und hatten viel mehr Schwierigkeiten. Sie mussten nachmittags sogar einen Italienischkurs besuchen, um mit dem Unterrichtsstoff mitzukommen. Ich habe dank meines Alters und der Cartoons nie einen Extra-Sprachkurs gebraucht.

Matilde: Man kann also sagen, dass der Fernseher deine Geheimwaffe gegen die Sprachbarriere war?

Dume: Absolut. Ich war ja schon etwas älter und konnte fließend Albanisch sprechen, also wollte ich mich unbedingt mitteilen. Mein Vater und mein Onkel, die wegen der Arbeit schon länger in Italien waren, haben uns vier Geschwister immer beruhigt. Sie haben gesagt, dass es nur der Anfang ist und es bald einfacher wird. Und der Fernseher hat diesen Prozess total beschleunigt.

Teil 3: Erste Schritte und Alltag

Matilde: Na ja, aber ein paar Fehler hast du am Anfang trotzdem gemacht… Ich denke da an dein berühmtes „a me mi“!

Dume: Ja, ertappt! „A me mi“ habe ich ständig gesagt. Und ich habe die Akzente immer falsch gesetzt, weil man im Albanischen die Wörter oft am Ende betont. Auch die Endungen bei „bravo“ und „brava“ für Jungs und Mädchen haben mich verwirrt. Aber ich war nie leise! Wenn ich ein Wort auf Italienisch nicht wusste, habe ich es auf Englisch versucht. Ich wollte mich einfach irgendwie verständlich machen. Und zum Glück gab es auch ein paar Wörter, die in beiden Sprachen ähnlich waren.

Matilde: Und das ist genau die richtige Einstellung! Du hast mir auch erzählt, dass deine Mitschüler in der Klasse fantastisch waren. Sie haben dich nicht isoliert, oder?

Dume: Nein, überhaupt nicht, ich hatte riesiges Glück. Sie waren wie ein echtes Support-Team: Sie haben extra langsam gesprochen, damit ich im Unterricht mitkomme. Diese Empathie von Gleichaltrigen hat mir extrem viel Sicherheit gegeben.

Matilde: Und wie lebt ihr diese sprachliche „Brücke“ heute zu Hause?

Dume: Eigentlich habe ich diese Brücke erst bemerkt, als mir klar wurde, dass ich zu Hause gar nicht mehr nur auf Italienisch kommunizieren kann. Heute sprechen wir in der Familie Albanisch, aber es ist ein bisschen mit Italienisch „befleckt“. Wir mischen die Wörter, ohne überhaupt darüber nachzudenken.

Teil 4: Wer ist Dume heute?

Matilde: Dume, unser Projekt befasst sich mit Migration als Transformatives Phänomen. Wenn ich dich heute anschaue – nach zehn Jahren in Italien und nur vier Besuchen in Albanien –, sehe ich eine wunderbare hybride Identität. Du bist für mich das perfekte Beispiel für eine Brücke zwischen zwei Welten. Wie siehst du dich selbst?

Dume: Danke, das hast du schön gesagt. Es sind wirklich zwei Welten, die in mir verschmelzen. Wenn ich in Albanien bin, vermisse ich meine italienische Routine, und wenn ich hier bin, habe ich Sehnsucht nach Albanien. Ich vermisse manchmal das kleine Mädchen aus meiner Kindheit in Albanien, aber meine Jugend war hier. Ich fühle mich wie ein Mix. Das sind zwei Welten, die aufeinandertreffen, und zwei Kulturen, die sich in mir vermischen. Sie gehören beide zu meiner Identität. 

Matilde: Das ist ein wunderschönes Schlusswort. Dein ultimativer Rat an alle Kinder, die neu in ein Land kommen, bleibt also eine ganz bestimmte rosa Zeichentrickfigur…

Dume: Ganz genau! Schaltet den Fernseher ein und schaut Peppa Wutz! Das habe ich auch meinen Cousins geraten. Es funktioniert wirklich.

Matilde: Dume, vielen Dank für dieses tolle Gespräch und deine Geschichte. Sie zeigt uns, dass Integration Regeln braucht, aber vor allem Kreativität, Empathie im Klassenzimmer und manchmal einfach die richtigen Bilder. Vielen Dank an alle fürs Reinschauen und bis zum nächsten Mal!

Was denkt ihr?

Habt ihr auch eine Sprache auf eine unkonventionelle Art und Weise gelernt? Welche Rolle spielen visuelle Medien eurer Meinung nach bei der Integration? Schreibt es gerne in die Kommentare! 🙂

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