In diesem Artikel erzählt Yahi Camboim (Porto Alegre, Brasilien) von Fritz Müller, einem deutsch-brasilianischen Wissenschaftler und Darwin-Gefährten
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Der „Fürst der Beobachter“, so bezeichnete ihn Charles Darwin. Johann Friedrich Theodor Müller, oder Fritz Müller, wurde 1822 in Windischholzhausen (Erfurt, Thüringen – Deutschland) geboren. Nachdem er sich eine solide wissenschaftliche Ausbildung in Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin in Deutschland aufgebaut hatte, wanderte er 1852 in die neue Kolonie Blumenau in Brasilien mit seiner Frau, einer Tochter und der Familie seines Bruders aus. Zu den Gründen für die Auswanderung gehörten die Ergebnisse der Märzrevolution und schlechte Karriereperspektiven, hauptsächlich nachdem er sich als Atheist weigerte, einen Eid mit religiösen Konnotationen abzulegen, um seinen Medizinabschluss abzuschließen, was er deswegen nicht amtlich machen konnte. In Brasilien entdeckte Fritz einen unberührten atlantischen Regenwald mit erstaunlicher biologischer Vielfalt, nicht ohne auf große Herausforderungen zu stoßen.

Im Jahr 1861, als Fritz an einem Gymnasium in der Hauptstadt des Bundesstaat Santa Catarina Desterro (heute Florianópolis) gleichzeitig mit seiner naturwissenschaftlichen Forschung lehrte, erhielt er eine Kopie des kürzlich veröffentlichten „Über die Entstehung der Arten“, wodurch Darwin seine Evolutionstheorie durch natürliche Selektion vorlegte. Das Werk hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf ihn, sodass er seine Forschungslinie über Krustentiere veränderte, um Hinweise für die Evolutionstheorie zu liefern. Das führte zur Veröffentlichung des Buches von Fritz Müller „Für Darwin“ (Wilhelm Engelmann Verlag, Leipzig, 1864), wo er komparativ die Morphologie und Larvenentwicklung von Krustentieren analysierte, was im Einklang mit der Evolutionstheorie auf einen gemeinsamen Ursprung der Arten dieser Gruppe zeigte. Darwin erhielt Kenntnis von dem Buch. Er schrieb einen Brief und lobte Fritz, und so begann eine langjährige Fernfreundschaft. Später finanzierte Darwin sogar die englische Ausgabe des Buchs, die 1869 unter dem Titel „Facts and arguments for Darwin“ veröffentlicht wurde. Von 1865 bis zum Tod von Darwin im Jahr 1882 tauschten sie mindestens 110 Briefe aus, einige davon sind durch das „Darwin Correspondence Project“ von der Cambridge Universität verfügbar.

Fritz Müller unterstützte nicht nur Darwins Theorie, sondern von ihm wurde auch originale bedeutende Forschung entwickelt. Unter seinen zahlreichen Beiträgen zur Wissenschaft ist auch die jetzt bezeichnete Müllersche Mimikry, in der von ihm zum ersten Mal eine mathematische Argumentation als Grundlage in der Evolutionsökologie benutzt wurde, oder sein wegweisendes Werk zum Thema evolutionäre Entwicklungsbiologie. Mehr über Fritz Müller findet man unter den Links unten.

Quellen
Darwin Correspondence Project – Cambridge University. Verfügbar auf (Englisch): https://www.darwinproject.ac.uk/letter/?docId=nameregs/nameregs_3070.xml
Fritz Müller 200 anos (brasilianisches Projekt). Verfügbar auf (Portugiesisch): https://fritzmuller200anos.com.br/ebooks/
Hartfelder K. Fritz Müller – Darwin’s scientific correspondent in Brazil for 17 years. Genet Mol Biol. 2018. Verfügbar auf (Englisch): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6136371/
Meyer A. Repeating patterns of mimicry. PLoS Biol. 2006. Verfügbar auf (Englisch): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1617347/
Souza, F. P. A. Notas de um naturalista do sul do Brasil: Fritz Müller: história da ciência e contribuições para a biologia [online]. São Bernardo do Campo, SP, Brazil. 2017. 214 p. Verfügbar auf (Portugiesisch): https://doi.org/10.7476/9788568576809 .
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